Prinzmetal
  • Beteiligung Bau Installation

  • Neckarzimmern

  • 2009

  • Bauherr

    Evangelische Landeskirche Baden

  • Wettbewerbsbeitrag

    2. Preis mit Empfehlung auf Realisierung einer Kapelle als Selbstbauprojekt

Ein Gebäude ist im protestantischen Verständnis nicht Sinn stiftend, vielmehr sind es die darin stattfindenden Interaktionen. Eine neue Kapelle sollte deshalb ein Raum des Prozesses und der Ingebrauchnahme sein.
In unserem Beitrag zum ausgelobten Wettbewerb der Ev. Landeskirche Baden für eine Kapelle als Selbstbauprojekt, verstehen wir diese daher vor allem als einen Prozess, in dem sich Jugendliche mit ihren lebensrelevanten Themen einen Ort bilden können.

Für den Bauprozess wird zunächst eine temporäre Landmarke errichtet – ähnlich der Tradition einen Altar zu bauen, um den anschließend eine religiöse Stätte entsteht. Verschiedene Workshops beeinflussen dabei immer wieder die Form der endgültigen Stätte. Die umfassende Mauer (Mantel) der Kapelle ist als eine plastische Masse zu verstehen, in der sich die Prozesse „eindrücken“.

Nach der „Fertigstellung“ des Gebäudes beginnt der immer wiederkehrende Prozess der Ingebrauchnahme des Raumes. Die Kapelle soll in diesem Sinne ein permanentes Anbauen, Weiterbauen und Einbauen ermöglichen. Die ovale Form des Gebäudes mit offenen Enden, leitet sich aus dem Gedanken der sich formenden Gemeinschaft ab. Anders als der geschlossene Kreis, ermöglicht diese Form eine Bewegung. Der überdachte Vorplatz und der „Zwischenraum“ bilden die offenen Enden räumlich aus. Sie sind halbformelle Orte zwischen Innenraum und Landschaft.

Bau und Beteiligung

Spätsommer/Herbstferien (1)
Der Workshop konstituiert eine erste temporäre Kapelle: Seismograph der Interaktion und Wahrnehmung an verschiedenen Standorten in Neckarzimmern. Bau einer „Littfasssäule“ – der Geräteschuppen wird zum Infopoint.
Anlegen eines Raumbuchs.

Weihnachten/Neujahr (2)
Das erste räumliche sowie strukturelle Element der neuen Kapelle entsteht – das sogenannte Backbone. Als ein 12 Meter langes Landschaftsteleskop, positioniert sich dieses in der Landschaft und definiert neue Blickwinkel und Blickfelder.
Weihnachten wird zur Ressource. Weihnachtsbäume werden wiederverwertet und ihre Stämme zu einem Baumaterial. Sie definieren dabei ein loses System zur Entdeckung, Wanderung und Belagerung, Blicke einnehmen und schulen, ein Gespür für die Landschaft und Materialien entwickeln und Experimente in zunächst ungewöhnlichen Zusammenhängen. Für diese lose Struktur bildet das „Backbone“ immer wieder ein Rückgrat.
Neue Orte werden vor und nach der Besetzung dokumentiert: die Wahrnehmung von Veränderung und die Veränderung von Wahrnehmung.
Dokumentation im Raumbuch.

Ostern (3)
„Hier bin ich auf Empfang“
Das Backbone wandert an die höchst gelegenste Stelle auf dem Gelände, der einzige Ort an dem ein Mobilfunksignal zu empfangen ist. Bau einer Aussichtsplattform, die sich durch eine „mediale“ Bespielung temporär zu einem Open-Air-Kino wandelt. Es ergeben sich Fragen nach neuen Formen von Kirche und Religiösität im Dialog mit den Lebenswirklichkeiten der Jugendlichen.
Dokumentation im Raumbuch.

Pfingsten (4)
Parkour - als Bewegung im Raum, Trendsportart und künstlerische Interventionsmethode. Aus Schalungsmaterial werden Module entwickelt und damit unter dem Backbone ein Parkour entworfen. In der Nutzung werden Hindernisse überwunden, Wände durchschritten und gewohnte Pfade verlassen. Theologische Themen werden in Beziehung zu den Aktionen gesetzt. Lernprozess im Umgang mit Schalungsmaterial.
Dokumentation im Raumbuch.

Sommer (5)
„Lasst uns Hütten bauen“
Spiel mit der Kubatur von 60qm. Gibt es Treppen oder ebene und schiefe Flächen? Wie sind Öffnungen gestaltet? Welche Bedeutung haben die Prinzipalien in unterschiedlichen Situationen und welche Auswirkung haben diese auf den Raum? Welche Programmatik kann das Gebäude erfüllen an die bisher noch nicht gedacht wurde?
Auswertung des Raumbuchs und Übergang zum Kapellenbau. Aufführung und Anwendung der Erfahrungen aus dem Gesamtprozess. Schließen des Werkstoffkreislaufes – Prozessmaterial wird zum Schlagungsmaterial. Backbone wird zum Haupttragwerk der neuen Kapelle.
Gestaltung des Prozessabschlusses und Aufbruch zu neuen „Anschlüssen“.